Vor der Einleitung eines Insolvenzverfahrens muss ein Schuldner, der als Angestellter, Sozialleistungsempfänger, Student oder Rentner dem Regelungsregime des Verbraucherinsolvenzrechts (§§ 305 ff. InsO) unterfällt, zunächst eine Einigung mit seinen Gläubigern versuchen. Dieser außergerichtliche Schuldenbereinigungsversuch scheitert zumeist – aber nicht immer! Glückt er, dann hat der Schuldner sich – ohne Insolvenzverfahren – erfolgreich von seinen Verbindlichkeiten befreit, denn er konnte mit jedem Gläubiger im Verhandlungswege einen Erlassvertrag schließen. Die Aussichten für eine solche Lösung sinken allerdings mit steigender Gläubigerzahl. In seltenen Fällen sind Gläubiger partout nicht vergleichsbereit, weil der Schuldner sich vorab hochgradig unfair verhalten hat (z. B. bei sog. Mietnomaden) – dann ist auch mit viel Zureden nichts zu machen. Hat der Schuldner etwaige Rücklagen vollständig aufgebraucht und ist damit das Pulver für Vergleichsverhandlungen schon weitgehend verschossen, sind die Einigungsaussichten zumeist dahin.

 

In allen anderen Fällen sollte die Gelegenheit für eine vergleichsweise Regelung nicht ungenutzt bleiben. Denn die vor 20 Jahren in Kraft getretene Insolvenzordnung erlaubt den Schuldnern eine Befreiung von seinen Verbindlichkeiten (Restschuldbefreiung) nach Ablauf einer gewissen Zeit (3, 5 oder 6 Jahre), wovon nahezu 100.000 Verbraucher jährlich Gebrauch machen, was den – institutionellen – Gläubigern bekannt ist. Gläubiger empfinden es mittlerweile nicht mehr als leere Drohung, wenn der Schuldner bei Scheitern der außergerichtlichen Einigung den Insolvenzantrag angekündigt.

 

Vor der Eröffnung des Insolvenzverfahrens kommt noch eine gerichtlich sekundierte Einigungsmöglichkeit in Betracht. Bei Kopf- und Summenmehrheit könnten obstruktive Gläubiger überstimmt werden, ein scharfes Schwert. Auch das ist Gläubigern bekannt, was deren vorgerichtliche Einigungsbereitschaft steigern kann. Seit einigen Jahren besteht nun auch im Verbraucherinsolvenzverfahren die Möglichkeit, abweichend vom gesetzlichen Ablauf des Insolvenzverfahrens eine Lösung im Rahmen eines Insolvenzplanverfahrens zu suchen. Diesen Plan kann der Schuldner gemeinsam mit den Insolvenzantrag einreichen. Stimmen die Gläubiger dem Plan mehrheitlich zu, erspart der Schuldner sich ein mehrjähriges Insolvenz- und Restschuldbefreiungsverfahren.

 

Erst wenn alle diese Konfliktlösungsinstrumente wirkungslos bleiben, kommt das reguläre Insolvenz- und Restschuldbefreiungsverfahren in Betracht.